JJJC RHEINTAL

 

Special-Olympics-Judoturnier

Für die Medaille früh ins Bett

42 geistig behinderte Judokas aus Finnland, Belgien, Österreich und der Schweiz feierten an den Special Olympics in Balgach ein Sportfest. Die Athleten sind sich internationale Wettkämpfe gewohnt, sie reisen regelmässig ins Ausland.

BALGACH. In der Sporthalle Riet ist es still bis auf das Knarren der Matten; man wagt nicht, sich im Flüsterton zu unterhalten. Die Special-Olympics-Judokas sind an den Kata-Vorführungen. Kata ist in japanischen Kampfkünsten die Basis, es bedeutet: Darbietung der Würfe.

Im Judo geschieht dies mit einem Partner, nicht nur an den Special Olympics.




Der Strich auf der Matte

Mario Bontognali, gemeinsam mit Cecilia Evenblij Leiter der Behindertensportgruppe des Judo- und Ju-Jitsu-Clubs Rheintal, geht mit einem Athleten auf die Matte, andere Coaches des JJJC Rheintal, etwa Christian Kamber oder Benito Postai, tun es ihm gleich. Bontognalis Athlet war nervös: «Ich hatte nicht so viel Zeit zur Vorbereitung wie üblich – und dann war noch dieser ungewohnte Strich auf der Matte.» Kleine Änderungen im Ablauf mit grossen Auswirkungen.

Eröffnet wurden die Special Olympics, richtig olympisch, in feierlichem Rahmen. Der Rebsteiner Musiker Enrico Lenzin, der neulich Hunderttausende TV-Zuschauer gerührt hatte, begeisterte auch die Judokas und Zuschauer in Balgach. Den Sportlerinnen und Sportlern war die Aufregung kurz vor den Kämpfen aber doch anzumerken. Denn Kata ist die Basis, aber Kämpfen macht mehr Spass. Und der Lärmpegel in der Halle steigt, verglichen mit dem Kata, ins Unermessliche.

«Etwa zweimal im Jahr gehen wir auch an internationale Wettkämpfe», sagt Bontognali. Jonas Schmid vom JJJC Rheintal hat letztes Jahr EM-Bronze in Antwerpen gewonnen. «Danach bewegte er sich für eine Weile ein paar Meter über dem Boden», sagt Christian Kamber.

Ein starker Kämpfer ist auch Kevin Hutter – im Kata hat er sich jedoch lange schwergetan. «Er wollte oft eigene Griffe machen», sagt Bontognali. Seine Fortschritte zeigt er am Sonntag. «Das war wunderbar», lobt der Trainer.

Auch im Kampf lief es Kevin Hutter gut – er erreichte in seinem Pool den zweiten Platz. Überragend war der JJJC Rheintal im Pool 7: Jonas Schmid siegte vor Fanny Bruggisser und Nina Neubauer.

Medaillensammler

Medaillen gab es für alle Wettkämpfer – und bei allen Emotionen, die im Spiel waren: Die Verlierer freuten sich jeweils mit den Siegern. Daraus abzuleiten, dass der Ehrgeiz eine untergeordnete Rolle spielt, wäre falsch. «Die behinderten Sportler nehmen Judo ernst», sagt Kamber. Viele sammeln die Medaillen fein säuberlich, einige haben wohl schon mehr davon gewonnen als etwa Mountainbike-Dauersiegerin Jolanda Neff.

Die Gäste aus dem Ausland reisten schon ein paar Tage vorher an. Sie unternahmen Ausflüge. Man kennt einander von früheren Wettkämpfen. Vor allem die aus der Niederlande stammende Cecilia Evenblij, die auch die Behindertensportler des JC Uster trainiert, unterhält viele Kontakte zu anderen Vereinen.

Am Tag vor dem Wettkampf fand eine Disco für alle Judokas statt. Um 21 Uhr verabschiedeten sich einige ambitionierte Kämpfer: Sie wollten ausgeschlafen zum wichtigen Turnier antreten.


Rangliste Kata.pdf (115.41KB)